Stromanschluss für die Blockchain?

Ein inoffizieller AVALO-Blog hat nun schon zum zweiten Mal den Stromvertrieb AVALO-energy mit der Blockchain-Technologie in Verbindung gebracht. Bereits am 24. Januar 2018 erschien der Artikel AVALO-energy bringt die Blockchain für das Stromnetz. Gestern erschien ein weiterer Artikel zum Thema Energieversorgung und Blockchain. Unter dem unpassenden Titel Die Crypto-Networker werden seriös werden Zukunftsszenarien für die Stromwirtschaft erdacht, die Blockchain-Technologie als Triebfeder für mehr Effizienz und autarke Stromversorgungsmodelle gefeiert und sogar von nachbarschaftlichem Stromhandel ist die Rede.

Insgesamt erweckt der Artikel den Eindruck von einer anstehen Revolution im europäischen Energiemarkt, die uns Stromkonsumenten in greifbarer Zukunft mit all den dort genannten Vorteilen beglückt. Ist dem wirklich so? Wir sollten uns dies bzgl. ein paar Fakten ins Gedächtnis rufen:

Blog-Beitrag: …dann können Informationen rund um den Stromverbrauch bald in der Blockchain gespeichert werden….

Lila Kommentar: Das hört sich alles ganz wunderbar an, aber in Bezug auf den Datenschutz werden nicht nur die politischen Instanzen in Europa aktiv werden, sondern auch Datenschutzbeauftragte und Datenschützer aus allen erdenklichen Lagern. Zudem dürfte das notwendige Kundenvertrauen bis heute fehlen, wenn ich darum geht persönliche Daten in einer Blockchain zu speichern. Hierfür fehlt schlichtweg die Aufklärung darüber, was eine Blockchain überhaupt ist und wie sie funktioniert. Zu guter letzt gehen evtl. den Stromunternehmen Kundendaten verloren, die selbstverständlich einen wirtschaftlichen Nutzfaktor darstellen.

Blog-Beitrag: …bestünde sogar die Möglichkeit seinen Strom mit anderen Haushalten zu teilen (Power Sharing, E-Sharing)…. wie bei heute üblichen Transaktionen via Bitcoin und anderen Kryptowährungen, wird die Strom-Transaktion von anderen Netzteilnehmern geprüft und bestätigt.

Lila Kommentar: Den Strom von einem Haushalt zum anderen zu leiten, seinen Strom zu teilen und selbst produzierten Strom sogar an seinen Nachbarn verkaufen? Das klingt zu schön und wahr zu sein! Auch hier könnte es wieder Interessenkonflikte mit Stromproduzenten und Stromanbietern geben. In Kombination mit der Blockchain-Technologie wiederholt sich hier der gleiche Effekt, den die Banken auch bei dem Bitcoin und anderen Krypto-Währungen fürchten. Der Verbraucher wird unabhängiger und hat die Möglichkeit ohne Mittelsmänner Geld bzw. Strom von A nach B zu bewegen.

 

 

 

 

Stromhandel in der Blockchain realistisch?

Der Artikel zeichnet unter dem Strich eine positive Prognose im Hinblick auf die Vorteile der Blockchain-Technologie und die Entwicklung der erneuerbaren Energien. Allerdings ist der Energie-Sektor in der Zukunft vor geradezu wahnsinnige Herausforderungen gestellt. Der Stromverbrauch wird in den kommenden Jahren explosionsartig ansteigen. Ironischerweise stark bedingt durch den Einsatz der Blockchain-Technologie und die damit verbundenen Mining-Prozesse bzw. IT-Infrastruktur. Allem Anschein nach haben sich die Blockchain-Konzepte in bereits alle digitalisierten Wirtschaftszweige in die Startposition gebracht. Der Ideenpool und die daraus entstandene Startup-Firmen, mit ihren ICOs, Tokens und Coins, ist unschätzbar groß. Sogar für die Staatsorganisation (Ämter, Gerichte, Verwaltung usw.) wurden schon Konzepte vorgestellt, welche die Bürokratie in Zukunft nahezu verschwinden lassen sollen.

Hinzu kommt der Strombedarf für immer mehr elektronische Haushaltsgeräte und Werkzeuge, die wachsende Anzahl an digitaler Mobilität und nicht zuletzt die schnell wachsende Anzahl an stromfressenden Pedelecs, E-Bikes, E-Cars, E-Busse, E-Züge und elektrobetriebene Nutzfahrzeuge. In manchen Ländern fahren LKWs bereits streckenweise dieselfrei mit Hilfe von Stromüberleitungen, wie es die Straßenbahn vormacht. Andere Länder hingegen werden in Zukunft erst in den Genuss des Infrastrukturausbaus kommen, was strombetriebene U-Bahnen, Straßenbahnen oder Hochgeschwindigkeitszüge angeht.

Die großen Stromproduzenten werden in Zukunft nicht wegzudenken sein und bevor ein wage prognostizierter Privathandel mit Strom entsteht, der über eine Strom-Blockchain ermöglicht werden könnte, werden wir froh sein selbst genug Strom zu haben. Von der Ausfallsicherheit und der permanenten Verfügbarkeit des Stroms mal ganz abgesehen.

 

Keine Blockchain für Kernenergie und Braunkohlestrom

In Bezug auf den Stromverbrauch gibt der Artikel insoweit ein positives Bild ab, weil der Stromvertrieb AVALO-energy ausschließlich Stromverträge für grüne Energie anbietet. Mit Hilfe der AVALO-Crowd soll ein Lauffeuer erzeugt werden, welches in Europa den erneuerbaren Energiequellen Vorschub leistet. Tatsächlich könnte dies gelingen und ein Ruck durch die Energiebranche gehen, vorausgesetzt es beteiligen sich genügend Menschen an dem Vorhaben.

Lila Fazit: Die Blockchain-Technologie mit dem Stromnetz zu verdrahten mag immense Kostenvorteile einbringen und ökologisch sinnvolle bis kreative Ideen für den Strommarkt hervorbringen. Vielleicht entwickelt sich auch in Zukunft eine technologische Revolution daraus. Eine echte Revolution wäre der Ausstieg aus der Atomenergie in Europa. Sie ist überfällig und jeder kann sich daran beteiligen!

 

 

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2 thoughts on “Stromanschluss für die Blockchain?

  1. Marius Knippel
    21. Februar 2018 at 08:43

    Das man mit der Blockchain Technologie die Stromnetze effizienter organisieren kann wurde schon letztes Jahr weitreichend in den Medien diskutiert und ist nichts Neues.

    1. 21. Februar 2018 at 13:53

      Hallo Marius,

      da hast du recht. Die Süddeutsche Zeitung hat sogar schon 2016 einen Artikel zu dem Thema veröffentlicht: http://snip.ly/iqtvr

      Ein ebenfalls sehr interessanter Beitrag zu dem Thema ist von Mike Orcutt (Journalist, Experte für Blockchain-Technologie und Kryptowährung) bei Heise erschienen: http://snip.ly/9cajx

      Der hiesige Beitrag ist eine Reaktion auf die verlinkten AVALO-Blogbreiträge. Natürlich liegen die Vorteile der Blockchain-Technologie auf der Hand, aber ich finde eine Massenbewegung für grüne Energie aktuell viel wichtiger als den Kryptosaft auf der Steckdose! Die Blockchain kann mir auch nicht helfen, wenn der nächste Kernreaktor seine Kernschmelze feiert.

      AVALO-energy bietet mit seiner Crowd erstmalig die Möglichkeit über Mund-zu-Mund-Propaganda bzw. mit Hilfe von Viral-Marketing-Techniken grünem Strom massiv Vorschub zu verschaffen. Nicht nur weil der Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, sondern weil die Mitglieder der AVALO-Crowd Teilhaber des Stromanbieters werden können, sich kostenlosen Strom verdienen können und sogar ein Einkommen generieren können.

      Die Stromproduzenten werden reagieren müssen, wenn es immer mehr Menschen gibt die sauberen Strom beziehen wollen. Vor 20 Jahren hat es auch noch niemanden interessiert ob die Stulle, Tomate und das Frühstücks-Ei aus biologischem Anbau sind… heute feiert man mit Bio- und Fairtrade-Produkten Rekordumsätze. Bei dem Strom wird es uns genauso ergehen… und genau wie bei den Lebensmitteln, müssen wir uns unserem Energieverbrauch bewusster werden.

      Viele Grüße,
      Steven

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