3 hässliche Network-Marketing Phänomene

Network Marketing

Network Marketing durchzieht heute alle Branchen, bedient sich modernster Technologien, Marketingtechniken und produziert jeden Monat neue Einkommensmillionäre. Kaum eine andere Vertriebsform begeistert bis heute so viele Menschen, die versuchen den Traum von finanzieller Unabhängigkeit in die Realität umzusetzen. Kein Geheimnis, dass auf dem Weg dorthin die meisten Network-Einsteiger scheitern und aufgeben bzw. nicht die Motivation aufbringen können, einen zweiten, dritten und vierten Versuch zu unternehmen.

Trotzdem wurden die Hürden in den letzten Jahren immer weniger und erste Erfolge als selbstständiger Networker lassen sich rasch produzieren. Noch in den 90ern haben Networker Erstinformationen für ihr MLM-Business per Post verschickt. Sogar mehrere Zentimeter dicke Infopakete mit Flyern, Produktinformationen auf VHS-Kassetten und Musikkassetten mit aufgenommenen Testimonials wurden gegen eine Schutzgebühr an Interessenten verschickt. Damals wurden Leads mit Kleinanzeigen generiert und im Anschluss viel telefoniert um sein Vertriebsteam aufzubauen.

Heute hat es der MLM-Einsteiger vergleichsweise leicht. Wenige Mausklicks führen angenehm durch Online-Webinare, Sales Funnel und die Registrierung als Vertriebspartner. Je nach Network-Unternehmen wird die Produktbestellung bei der Partnerregistrierung gleich mit erledigt. Das Sponsoring, die Generierung von Provisionen und die Online-Bezahlung, alles von E-Commerce-Anwendungen automatisiert, die für Network-Marketing-Vertriebe programmiert wurden. Im Anschluss glänzen die meisten Network-Unternehmen mit ausgefeilten Online-Schulungsprogrammen und Ausbildungsmaterialien. Manche davon werden sogar schon per SmartPhone App zur Verfügung gestellt. Der neue Job im Westentaschenformat.

Als wäre das Alles nicht schon fortschrittlich, modern und komfortabel genug, um in die aufregende Welt des Network-Marketing einzusteigen, verfügen viele Network-Firmen sogar auch noch über ein MLM Online-Office. Dort können Umsätze eingesehen werden, die eigene Downline wird einem angezeigt und es stehen Informationen zu Unternehmen, Vergütungsplan und dem Produktangebot zur Verfügung. Network-Marketing hat seinen Platz in der digitalen Welt schon lange gefunden und seine Unternehmen machen sich Online-Marketingtechniken zu Nutze bzw. bauen Marketinglandschaften, die sich in ihrer Professionalität vor den Hochkarätern der IT-Marketingbranche nicht verstecken müssen.

Trotz aller Modernität und zeitgemäßer Arbeitswerkzeuge für den Vertrieb, gibt es in der Network-Marketing-Branche drei weit verbreitete Phänomene, welche eher altmodisch und für heutige Verhältnisse unlogisch erscheinen.

 

Erst dagegen, dann dafür

Bereits vor dem Start einer Vertriebspartnerschaft tritt ein Phänomen auf, welches man auch in anderen Bereichen des Lebens feststellen kann. Dabei trifft der durchschnittliche Interessent auf eine Geschäftsmöglichkeit und betrachtet diese in der Regel sehr kritisch. In Deutschland sucht man vornehmlich den Haken an dem offerierten Geschäft, oder tut es gleich als unseriöses Business ab. Lässt die Geschäftsgelegenheit auch noch einen Strukturvertrieb erkennen, sind Begriffe wie Schneeballsystem oder Ponzi-Scheme rasch heraus posaunt.

Wer sich später doch hat überzeugen lassen, oder aufgrund niedriger Einstiegskosten den finanziellen Verlust im Ernstfall verkraften kann, erkennt plötzlich mit der Bezahlung und dem Erhalt seiner persönlichen Vertriebspartner-ID nur noch Vorteile bei der Geschäftsmöglichkeit. Diese Überzeugung ist ab sofort auch notwendig, denn nun gilt es selbst neue Partner zu überzeugen und zu werben um sein eigenes Team aufzubauen.

Es ist so ähnlich, als würde man sich mit guten Argumenten vor dem Kauf unnötiger Unterhaltungs- oder Luxusgüter schützen wollen. Ist man dem Kauf erlegen, redet man sich die Neuanschaffung schön. Schließlich hat man sich das verdient, oder die Anschaffung war sogar sinnvoll.

 

Die Konkurrenz die keine ist

Bewegt man sich ein paar Jahre im Strudel des Multi-Level-Marketing, dann wird man unausweichlich den familiären Charakter der Branche erleben. Eine Familie ohne respektable Elternfiguren (geschweige denn Großeltern), bestehend aus einem pubertären Haufen Geschwister, die permanent untereinander konkurrieren und keine Gelegenheit verpassen sich unter die Nase zu reiben, wie erfolgreich sie sind. Man kennt sich.

Mit dem Ansporn sein Team möglichst schnell wachsen zu lassen, sind Networker, die in der Vergangenheit schon Erfolg hatten, besonders beliebt bei der Vorstellung des eigenen Unternehmens. Die Reaktion auf solch eine Ansprache kann man sich denken. Die Vertriebsform selbst erfordert geradezu ein hohes Maß an Loyalität gegenüber dem Unternehmen, Vertrauen in das Produkt und Überzeugung von dem Marketingplan. Alles zusammen entspricht dem persönlichen Manifest und ist Voraussetzung für überdurchschnittlich großen Erfolg.

Spricht nun ein Networker einen anderen Networker auf seine Geschäftsmöglichkeit an, so bekommt er mit großer Wahrscheinlichkeit dessen Ablehnung zu spüren bevor er sich das Geschäft überhaupt näher angeschaut hat. Obendrein bekommt der anfragende Networker vielleicht noch ein Gegenangebot, nämlich bei dem viel lukrativeren Unternehmen einzusteigen, welches er wiederum vertritt. Gegenseitige pro und contra Diskussionen werden dabei sehr einseitig geführt und ohne Frage ergebnislos. Hin und wieder findet man solche Abhandlungen auch aufbereitet in den Argumentationsleitfäden starker Vertriebsorganisationen, auf Webseiten, in Foren oder sogar in Präsentationen um unentschlossenen Network-Interessierten die Entscheidung zwischen den Unternehmen zu erleichtern.

 

Schuld sind die Anderen

Wer sich erstmalig einem Network-Unternehmen verschrieben hat weiß um die Startschwierigkeiten, die einem in den ersten Wochen entgegentreten. Statistisch gesehen beenden die meisten Network-Marketing-Einsteiger ihre selbstständige Vertriebstätigkeit spätestens nach 6 Monaten vollständig. Besonders kritisch sind die ersten 4 Wochen nach dem Einstieg. Das ist nicht nur ein großes Problem für die Unternehmen, sondern für jeden einzelnen Vertriebspartner, der seiner passiven bis schrumpfenden Downline, respektive schrumpfenden Einkommen, machtlos gegenüber steht.

In den wenigsten Fällen ist es die Schuld des Unternehmens oder des Sponsors, auch der Marketingplan und schon gar nicht die Vertriebsform Network-Marketing sind schuld. Für gescheiterte Networker ist es zwar am angenehmsten die Schuldigen woanders zu suchen, aber letzten Endes ist jeder Networker für sein Scheitern und seinen Erfolg selbst verantwortlich. Ehrlich mit seinem eigenen Scheitern umzugehen, sich die Fehler einzugestehen und erneut Anlauf zu nehmen, sind Eigenschaften die den Erfolg herbeiführen werden. Das geht bei dem einen in 12 Monaten und bei anderen dauert es vielleicht 4 Jahre, aber neben ein wenig Organisation, Planung und Zeit, gehört eine gute Portion Eigenmotivation und Lernbereitschaft zu dieser und vielen anderen Geschäftsmöglichkeiten.

 

Wie die Branche besser werden kann und wie modernes Network-Marketing aussehen kann, haben wir bereits vor ein paar Jahren auf diversen Veranstaltungen eingefangen. Vielleicht fällt dir auch noch ein Punkt ein, der in der Network-Marketing-Branche bisher viel zu sehr vernachlässigt wurde oder aus aktuellem Anlass mit aufgenommen werden sollte.

Die Networker von heute…

  • pflegen den Kontakt zueinander, auch wenn sie für unterschiedliche Unternehmen tätig sind.
  • können über neue Geschäftsmöglichkeiten diskutieren, ohne ihr eigenes Unternehmen permanent über alle anderen zu stellen.
  • sind auch in der Lage Negativ-Aspekte über ihr Unternehmen, egal ob über die Produkte oder den Marketingplan, sachlich zu diskutieren.
  • überreden ihre Interessenten nicht, sondern überzeugen sie.
  • nehmen ein NEIN nicht persönlich, sondern freuen sich auf ein Wiedersehen.
  • machen aus ihrem Network-Unternehmen keine Religion.
  • können darauf verzichten andere Networks klein zu reden um selbst größer zu erscheinen.
  • sind fair.
  • entscheiden nicht für wen ein Geschäft interessant ist und für wen nicht.
  • arbeiten unter Umständen mit zwei oder drei Network-Unternehmen zusammen.
  • schreiben keine Network-Marketing-Ebooks bevor es was zu erzählen gibt.
  • müssen keinen Anzug tragen.
  • können zwischen Konsument und Vertriebspartner unterscheiden.
  • kopieren nicht blind die Arbeitsweisen ihres Sponsors.
  • geben nicht auf.
  • finden sich auf den unterschiedlichsten Plattformen und Bühnen.
  • werden das Image des Network-Marketing von morgen prägen.

 

About Steven Rohner

Software Engineer & Marketing Architect

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