OneCoin beschäftigt Anwälte

OneCoin - Anwälte - Abmahnung

Die OneCoin Ltd. sendet Anwälte aus um irreführende Medienberichte entfernen zu lassen.

Am 19.08.2016 wurde uns ein Fax von der Rechtsanwaltskanzlei Schulenbeck & Schenk aus Hamburg zugestellt. Darin erklärt die Kanzlei die Vertretung der OneCoin Ltd. und weißt darauf hin, dass der PDT Blog-Beitrag TV-Bericht: OneCoin in der Kritik eine Rechtsverletzung darstellt.

Man stört sich allerdings weniger an dem PDT Artikel selbst, als an den dem verlinkten Video des österreichischen Fernsehsenders ORF. Dieser hatte am 16.06.2016 in der Sendung heute konkret die Firma OneCoin Ltd. regelrecht auseinandergenommen. In dem uns zugestellten Schreiben, mit der Bitte das betreffende Video mit dem ORF-Bericht zu entfernen, werden folgende Gründe aufgeführt die die Unrechtmäßigkeit des Videoinhalts bzw. unberechtigte Behauptungen seitens des ORF bestätigen sollen:

 

1. OneCoin ist eine neue Kryptowährung mit dem Versprechen von hohen Gewinnen

Kommentar der Kanzlei Schulenbeck & Schenk: Ein solches Versprechen ist von unserer Mandantin nie gemacht worden. Unsere Mandantin versichert, dass der Erfolg von jeder einzelnen Person individuell von der erbrachten Leistung abhängt.

PDT Kommentar: Bedingt ist das richtig. Das kann sich jedes Network-Unternehmen auf die Fahne schreiben, denn der Erfolg ist letztlich immer von jedem einzelnen Partner abhängig. Kein Network hat in der Vergangenheit seine Partner mit Geld überschüttet, ohne dass diese etwas dafür getan hätten. Hinzu kommen, wie schon so oft in der Vergangenheit, waghalsige Erfolgsaussagen von euphorischen Partnern die wiederum neue Partner in ihrer Vertriebsstruktur scharen wollen. Fast alle OneCoin-Webinare und Informationen im Internet prognostizieren steile Gewinnkurven mit den OneCoins. In einigen Fällen werden auch Vergleiche zu der Kursentwicklung bei BitCoin gezogen, um Interessenten zu einem alsbald möglichen Einstieg zu bewegen.

Wenn auch die OneCoin Ltd. seinen Nutzern bzw. Partnern nicht selbst die anstehenden Gewinne verspricht, so tun es nicht wenige OneCoin-Partner. Genau genommen möchte sich die OneCoin Ltd. davon distanzieren ein Gewinnversprechen zu geben für das man in Haftung genommen werden kann, denn eine positive Sicht auf die zukünftige Unternehmensentwicklung gehört zum guten Ton, ist geradezu selbstverständlich und bildet zudem Vertrauen. Eine solche Einstellung kann und sollte man von einer jungen Firma erwarten.

Die Frage ist inwieweit Journalisten unabhängige Vertriebspartner von OneCoin-Mitarbeitern bzw. inoffizielle OneCoin-Webseiten von offiziellen Web-Inhalten unterscheiden können. Der OneCoin Ltd. ist gut beraten, wenn sie ihre eigenen Nutzer/Partner im Umgang mit der Unternehmenskultur und der Vertriebsausrichtung schult.

 

 

2. An der Stelle 03:26 Minuten des Videos wird über unsere Mandantin behauptet:

Konsumentenschützer in aller Welt haben den Verdacht, es könnte ein illegales Pyramidenspiel sein, bei dem die Leute am Ende der Pyramide einzahlen und damit die oberen Mitglieder finanzieren.

Kommentar der Kanzlei Schulenbeck & Schenk: Lediglich die Arbeiterkammer in Österreich warnt hier vor einem möglichen Pyramiden-System.

PDT Kommentar: Tatsächlich ist es nicht nur die Arbeiterkammer in Österreich, die sich neben dem Arbeitnehmerschutz auch dem Verbraucherschutz annimmt, die vor OneCoin warnt, sondern auch das Magazin Der Spiegel (17/2016), das MLM-Magazin Netcoo und andere Stellen im Netz. Laut Spiegel Online ermittelt sogar die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) gegen OneCoin, um zu prüfen ob die OneCoin Ltd. in Deutschland genehmigungspflichtige Finanzgeschäfte betreibt.

Meist Punkte die erfahrene Networker zunächst kalt lassen dürften, denn jedes erfolgreiche Network sieht sich früher oder später einem Ponzi-Generalverdacht ausgesetzt. Dieser Umstand ist allerdings in der Mentalität der Mitteleuropäer und der Skepsis gegenüber dem Network-Marketing begründet, als dass er sich in sachlichen Fakten darstellt. Nicht zu vergessen, dass OneCoin und andere digitale Währungen den etablierten Banken und dem Fiskus ein Dorn im Auge sind.

 

3. An der Stelle 05:35 Minuten wird weiter behauptet:

Und selbst bei der Bundesstelle für Sektenfragen ist OneCoin schon bekannt.

Kommentar der Kanzlei Schulenbeck & Schenk: Im Beitrag ist jedoch lediglich die Rede von allgemeinen Pyramiden-Systemen ohne jeglichen Bezug zu OneCoin.

PDT Kommentar: OneCoin im Zusammenhang mit Sekten zu nennen ist in der Tat lächerlich, allerdings befasst sich die Bundesstelle für Sektenanfragen in Österreich auch mit Ponzi-Systemen (Schneeballsystemen). Mit den vorangegangen Vorwürfen in dem Beitrag, ob nun berechtigt oder nicht berechtigt, erscheint der Zusammenschnitt nicht unlogisch.

 

4. Mastercard kennt keine OneCoin Kreditkarten.

Kommentar der Kanzlei Schulenbeck & Schenk: Ab der Stelle 05:03 Minuten des Videos wird verschwiegen, dass es sich bei der OneCoin Mastercard um eine prepaid (co-branded) Kreditkarte handelt. Aus diesem Grund verneint der Sprecher der Mastercard Österreich dementsprechend.

PDT Kommentar: Der Einwand ist absolut berechtigt. Es ist kaum vorstellbar das der Sprecher der Mastercard Österreich alle Anbieter einer Prepaid Mastercard auf Anhieb kennt. Allerdings möchte man meinen das sich das Interview-Team des ORF entsprechend angekündigt hat und es sollte dem Mitarbeiter von Mastercard Österreich doch ein Leichtes sein im Vorfeld zu prüfen, ob die OneCoin Ltd. das Prepaid-Angebot von Mastercard wahrnimmt.

Abgesehen davon ist das Prepaid Mastercard-Angebot von OneCoin keine Besonderheit. Viele Network-Unternehmen bieten ihren Partnern inzwischen Prepaid-Kreditkarten an, damit diese kostengünstig, schnell und ohne Umstände an ihre Provisionen kommen.

Unter den genannten Umständen scheint es viel mehr so zu sein, dass Mastercard in Zusammenhang mit OneCoin nicht genannt werden möchte. Ein Bericht von behindMLM.com führt diese Vermutung ebenfalls an und liefert weitere Informationen zu dem Thema ‚OneCoin und Mastercard‘.

 

 

5. Eine Kontaktaufnahme war nicht möglich.

Kommentar der Kanzlei Schulenbeck & Schenk: Eine Kontaktaufnahme war jederzeit möglich. Eine Kontaktaufnahme durch den ORF hat nach Kenntnis unserer Mandantin nie stattgefunden.

Unsere Mandantin hat ihr Vertriebsmodell, vor ihrem Markteintritt auf seine Rechtmäßigkeit prüfen lassen und hierzu entsprechende Gutachten vorliegen.

Auch der Unterzeichner, der die zum Anhang zu § Abs. 3 Nr. 14 des (deutschen) UWG (Schneeball- und Pyramidensystem) ergangene Rechtssprechung als Rechtsanwalt maßgeblich mitgeprägt hat, ist zu diesem Ergebnis gekommen.

Zudem geben die dargelegten Sachverhältnisumstände keinen Hinweis auf das unterstellte rechtswidrige Konzept.

PDT Kommentar: Dies ist korrekt. Die OneCoin Ltd. und diverse Partner haben diese Informationen mehrfach öffentlich gemacht und es handelt sich um kein Geheimnis, dass sich die Betreiber von OneCoin bemühen alles Gesetze einzuhalten in deren Ländern sie tätig sind.

 

Zum Ende des Fax-Schreibens wird dem PDT Fazit des Blog-Artikels widersprochen:

Kommentar der Kanzlei Schulenbeck & Schenk: In Ihrem Fazit heißt es sodann:

Abschließend bleibt zu sagen das Investitionen bei OneCoin mit nicht unerheblichen Risiken verbunden sind.

Kommentar der Kanzlei Schulenbeck & Schenk: Dies entspricht ebenfalls nicht den Tatsachen. Die Kunden unserer Mandantin sind gerade keine Investoren, sondern Käufer von echten Produkten mit echtem Wert, wie z.B. das mobile Computergerät OneTablet und nehmen echte Dienstleistungen in Form von Ausbildungspaketen mit Finanzierungsbezug wie die OneAcademy E-Learning-Suite in Anspruch.

Da es sich um echte Produkte und Dienstleistungen handelt, liegen weder Investitionen vor noch besteht dahingehend ein nicht unerhebliches Risiko. Durch Ihre Berichterstattung wird jedoch suggeriert, dass es sich hier investiertes Kapital, sprich um eine Kapitalanlage handelt. Dies entspricht nicht den Tatsachen.

PDT Kommentar: Je nachdem welches Paket der OneAcademy der E-Learning-Suite bei der Registrierung ausgewählt wird, bei den kostenpflichtigen OneCoin-Registrierungen handelt es sich immer um eine Investition. Im Zweifelsfall handelt es sich um eine Investition in die eigene Weiterbildung, denn genau zu diesem Zweck werden die OneCoin-Ausbildungspakete ja angeboten.

Die Preise für die Ausbildungspakete von OneCoin reichen von 110,00 EUR bis 27.500,00 EUR. Eine kostenlose Registrierung ist ebenfalls möglich, allerdings gibt es nur bei den kostenpflichtigen Optionen 1.000 bis 300.000 Tokens dazu. Mit diesen lassen sich die begehrten und wertvollen OneCoins im Mining-Prozess generieren. Je nach Berechnungsgrad bekommen die OneCoin-Nutzer für ihre Tokens ca. 60 Tage später ihre Coins gutgeschrieben.

Aktuell werden im Mining-Prozess aus 70 Token 1 OneCoin. Demnach erhält man für 300.000 Token, die man bei dem OneCoin-Ausbildungspaket INFINITY TRADER PACKAGE (27.500,00 EUR) dazu bekommt, 4.285,7142857 OneCoins und diese haben nach jetzigem Kurs einen Gesamtwert von 29.736,428571 EUR.

Somit habe ich im Beispiel einen Gewinn von 2.236,428571 EUR gemacht, obwohl ich ausschließlich 27.500,00 EUR in meine Weiterbildung investiert habe und mit ein paar Klicks 300.000 Tokens für das OneCoin-Mining freigegeben habe. Bezieht man den MLM-Provisionsplan, den Aufbau einer Downline und besondere Faktoren der Vermehrung meiner OneCoins (z.B. über das bereits mehrfach vollzogene Splitting) mit ein, dürfte sich meine OneCoin-Ausbildung durchaus bezahlt machen und das ob ich sie wahrnehme oder nicht.

Man könnte denken die Betreiber von OneCoin bedienen sich mit den geschnürten Ausbildungspaketen einem Trick, damit sie die rechtlichen Grundlagen in Bezug auf Ponzi-Systeme und illegale Schneeballsysteme einhalten, und erschaffen dafür kurzerhand E-Learning-Produkte um den Einstiegspreisen einen rechtskonformen Gegenwert zu geben. Die Tokens, womit ich als User die eigentlichen OneCoins schürfen kann, gibt es in einem rein rechnerisch und nahezu gleichen Wert dazu.

Nach eigenen Angaben von OneCoin nutzen weltweit über 2.880.000 Menschen deren digitale Währung, diese Nutzer haben mehr als 831.400.000 OneCoins geschürft, was eine bemerkenswerte Leistung ist. Betrachtet man die noch sehr beschränkten Akzeptanzstellen an Shops, in denen ich meine OneCoins ausgeben kann, sowie den OneCoin-Kursverlauf, dann erklärt sich von selbst das es sich bei OneCoin nicht nur um eine Investition in neues Wissen und Weiterbildung handelt, sondern Kursgewinne erwartet werden. Mal ganz abgesehen davon, dass ich statt OneCoin heute eine bunte Auswahl an Kryptowährungen und anderen digitalen Währungen habe um online unkompliziert zu bezahlen.

onecoin-kursverlauf

OneCoin Kursstand vom 06.09.2016. Alle Angaben ohne Gewähr.

Wie von der Anwaltskanzlei Schulenbeck & Schenk gewünscht, werden wir das beanstandete Video in Kürze entfernen. Leider war es aufgrund der Urlaubszeit nicht möglich früher zu reagieren.

   

 

Anlage: Original Fax von Schulenbeck & Schenk vom 19.08.2016 // 15:07 Uhr

Nachtrag vom 15.09.2016: Auf ausdrücklichen Wunsch haben wir die Anlage des Originalschreibens vom 19.08.2016 an dieser Stelle aus Kulanz und unter Vorbehalt entfernt.

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6 thoughts on “OneCoin beschäftigt Anwälte

  1. Klaus Hönig
    29. September 2016 at 17:46

    Sehr interessant, wird man einen Blick drauf haben müssen.

  2. Katrin Graf
    29. September 2016 at 17:55

    Na wenigstens sind sie eine Weile beschäftigt damit und es wird niemandem langweilig. 😉

  3. karynstacy
    30. September 2016 at 19:22

    Na das ist ja eine interessante Geschichte! 😀 Gibt es noch einen anderen Weg Zugriff zu dem Video zu bekommen? Ich würde mich über ein Update sehr freuen!

    1. 5. Oktober 2016 at 08:09

      Das Video wurde auf ausdrücklichen Wunsch der OneCoin Ltd. bzw. durch ihre anwaltliche Vertretung entfernt. Nicht zuletzt, weil der österreichische TV-Sender ORF in diesem Fall schlecht recherchiert hat und kein allumfassendes Bild zu OneCoin abgeliefert hat.

      Letzter Punkt war allerdings erst Motivation das Video hier zu veröffentlichen, nämlich der Aufklärung wegen. Wer OneCoin bis dato noch nicht kannte und den ORF-Bericht gesehen hat, hätte sich u.U. ein falsches Bild zum Thema OneCoin und Kryptowährungen gemacht.

      Der Verbreitung des Video-Berichtes anwaltlich zu begegnen ist auf der einen Seite nachvollziehbar, auf der anderen Seite strategisch unklug. Eine Firma wie OneCoin, die ohnehin schon kritisch beobachtet wird, stark im Network Marketing angesiedelt ist, sollte nicht deren Kritiker abmahnen, sondern wäre besser mit einer informellen Offensive bedient.

      Aufklärung zu dem Geschäftsmodell OneCoin, Informationen zu der Kryptowährung und eine konstruktive Auseinandersetzung mit Kritikern oder gar falschen Informationen, würde dem Geschäftsaufbau insgesamt helfen, Vertrauen schaffen und käme der Reputation zugute.

      …und manchmal kommt es sogar vor, dass eine Firma auf diese Weise neue Geschäftskonzepte entwickeln kann, sich zukunftsorientiert umstrukturiert und neu definiert, weil evtl. doch die eine oder andere Schwäche erkannt wird, oder es werden in der beheimateten Branche langfristige Partner gefunden die eine Bereicherung in der Weiterentwicklung sind.

  4. 26. Januar 2017 at 21:49

    Wenn man weiss wem die Medien gehören (Banken) und OneCoin ist der größte Feind der Banken. Und wenn man sich andre Gerüchte über Medien ansieht dann Frage ich mich schon, was auf Lügen aufgebaut ist. …dann schaut euch mal dieses Video an http://snip.ly/mlt7n Glaubt nicht alles was über wem und was geschrieben wird oder im TV-Volksverdummung gebracht wird. Was Betrug und ein Schneeballsystem ist sind die Arbeitsämter, Rentenvorsorge und Banken. Dann schaut mal genau hin http://snip.ly/4rx1l

    1. 27. Januar 2017 at 12:14

      Grüß Dich!

      Also um von den Interviews mit Udo Ulfkotte auf eine Verschwörung gegen OneCoin zu schließen, bedarf es schon einen schmerzhaften Spagat. Natürlich wird OneCoin von Banken kritisch beäugt und bestimmt wird auch die Entwicklung von OneCoin permanent überwacht. Hinzu kommt sicher noch eine ordentliche Bankenlobby, die nicht im selben Golfclub Tee trinkt wie Dr. Ruja Ignatova oder andere OneCoin-Vertreter. wir reden von über Generationen gewachsene Großunternehmen, Großbanken und Geschäftsbeziehungen die in alle Wirtschaftszweige reichen. Das man sich in den Mainstream Medien nicht begeistert und unbefangen mit OneCoin befasst ist geradezu natürlich. Dieses Verhalten erkennt man aber nicht nur auf den Finanzmärkten, sondern ist Handhabung in den meisten Branchen. Man könnte sogar sagen es ist menschlich.

      Zudem darf man nicht vergessen das Network-Marketing-Unternehmen nur zu gerne zerrissen werden. Im Internet ist es manchmal schwer zu erfassen wer nun eine grundsätzliche Ablehnung gegen MLM vertritt, oder ein gesteigertes Interesse am Scheitern des MLM-Unternehmens hat bzw. in irgendeiner Weise von dem Erfolg der bestehenden Konkurrenz profitiert.

      So veröffentlichte z.B. der Bundesverband deutscher Banken e.V. erst diesen Monat, dass 82% der deutschen Bankkunden ihrem Kreditinstitut vertrauen und ebenfalls 82% sind mit den Leistungen ihrer Bank zufrieden. Dagegen veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung am 17.10.2016 gleich zwei Artikel die alles andere als positiv klingen: Vertrauen in Banken sinkt auf Tiefpunkt (http://snip.ly/irx5s) und Deutsche misstrauen Banken (http://snip.ly/t5hwi)

      Bleibt zu sagen das sich OneCoin in einigen Punkten nicht ganz unbegründet Kritik eingehandelt hat.

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