Scheiss Network Marketing

Scheiss Network Marketing

Scheiss Network Marketing

Eine kurze Vorgeschichte

Nachdem ich nun seit knapp 10 Jahren in Kontakt zu (fast) erfolgreichen Networkern bis hin zu sehr erfolgreichen Networkern stehe und für diese Herrschaften auch noch Online-Marketingtools bereitstelle, muss ich mich fragen warum mich dieser ganze Quatsch noch nicht reich gemacht hat.

Bis heute war ich bei vier Network Marketing Unternehmen als Vertriebspartner registriert, bzw. eingeschrieben wie man so schön sagt, und meine Garage ist immer noch nicht voll mit Sportwägen. Kurzum: Das reinste Fiasko!

Gerade mal bei einer Firma kam ich auf ein vierstelliges Einkommen im Monat, alle anderen haben mich mehr Geld gekostet als sie mir etwas gebracht haben. Mal abgesehen von den ganzen Kisten voller brockenhaftem Fruchtsaft, Diät-Schlamm zum selber anrühren und… nein da möchte ich nicht drüber reden.

Hin und her gerissen zwischen Faszination und Frustation habe ich die ganze MLM-Literatur in den Mülleimer geschmissen und begonnen mir meinen eigenen Kopf zu machen. Ich weiß am besten das man euphorischen Networkern nicht trauen kann, weder bei einer Geschäftspräsentation, noch bzgl. der Angaben wenn es um das eigene Einkommen geht. Genauso wenig kann ich den Network-Hassern Glauben schenken, weil ich selbst gesehen habe das Network Marketing funktionieren kann. Die Betonung liegt auf ‚kann‘!

Also: Nüchterne Network Marketing Fakten brauche ich und da ich aus der klassischen Online-Marketingbranche komme, kann das ja nicht so schwer sein!

 

 

War es auch nicht… und hier ist mein erschreckendes Ergebnis:

Nun wenn man im Network Marketing erfolgreich sein will gilt es, wie in den meisten anderen Branchen auch, längerfristige Kundenbeziehungen anzustreben und erfolgreiche Vertriebspartner auszubilden. In vielen Fällen ist es so, dass die neuen Vertriebspartner gleichzeitig auch in den Kundenstamm wandern. Das bedeutet das die Vertriebspartner die in meiner Downline positioniert sind nicht nur Kunden mit den Produkten oder Dienstleistungen versorgen, sondern auch einen Eigenbedarf an dem Angebot beanspruchen.

Dieser Umstand ist mir früher ehrlich gesagt sauer aufgestoßen! Die meisten Network Unternehmen lassen eine Vertriebspartnerschaft schon gar nicht mehr zu, wenn nicht bei der Registrierung gleichzeitig eine Bestellung ausgeführt wird bzw. Umsatz generiert wird. Je nach Produkt und Dienstleistung ist sogar noch eine Art Abonnement an die Laufzeit der Partnerschaft geknüpft, mindestens jedoch an die Provisionsberechtigung (Qualifikation).

Ist das Produkt brauchbar, qualitativ überzeugend und nicht total überteuert stört der indirekte Kaufzwang nicht einmal. Ein wirklich brauchbares Produkt in der MLM-Branche zu finden, dass auch noch ein anständiges Preis-Leistungs-Verhältnis hat scheint aber nahezu unmöglich.

Überhaupt scheint mir bis jetzt Network Marketing überhaupt nicht mein Fall zu sein, denn ich laufe mit hoher Wahrscheinlichkeit Gefahr, überteuerte Produkte in einem Abo zu bestellen, die ich nicht wirklich gebrauchen kann und/oder die mich im Hinblick auf die Qualität nicht überzeugen. Diesen Knebel lege ich mir an, weil ich möglichst viel Geld verdienen möchte und weil auf der letzten Geschäftspräsentation, auf die mich mein bester Freund eingeladen hat, ein Typ, mit geweißter Kauleiste und dieser angenehmen Neuwagenverkäufer-Aura, eingelullt hat.

Bescheuert an der ganzen Geschichte ist, dass man sich umgehend nach der Registrierung nicht mehr an den Kaufzwängen während der Registrierung stört! Im Gegenteil: Ab sofort behaart man auf die Notwendigkeit einer möglichst fetten Bestellung bei der Registrierung und auch die monatlichen Produktpakete die frei Haus geliefert werden, sollten mindestens so schwer sein, dass der Postbote die Bandscheiben quietschen hört.

Das geht in die Hose… nicht nur für den Postbote!

Aus den obigen Gründen habe ich mich mit einem Zettel und einem Stift an meinen Schreibtisch gesetzt und mir Gedanken gemacht, welche Attribute ein Produkt haben muss, damit ich es selbst gern kaufe und anderen zum Kauf anbieten mag.

 

 

9 Eigenschaften die ein MLM-Produkt haben sollte!

Folgende Produkteigenschaften sind mir eingefallen:

  • Das Produkt muss selbst erklärend sein.
  • Das Produkt ist im Optimalfall ein Verbrauchsartikel oder besitzt zumindest eine erneuerbare Komponente.
  • Das Produkt wird regelmäßig verwendet bzw. konsumiert.
  • Das Produkt kann vom Kunde selbst schnell und einfach erklärt werden.
  • Das Produkt muss in allen sozialen Schichten Anerkennung finden.
  • Das Produkt muss in sämtlichen Kulturen Fuß fassen können.
  • Das Produkt sollte konkurrenzlos sein.

Zu guter Letzt sollte es auch noch ein Produkt sein, dass der Kunde unbedingt besitzen möchte. Denn nur weil ein potentieller Kunde ein Produkt gut erklären kann, oder weil es konkurrenzlos ist, bedeutet das noch lange nicht das er es auch kaufen möchte. Also habe ich folgende zwei Punkte hinzugefügt, auch wenn sie aus meiner Sicht vollkommen überflüssig sind. Schließlich gibt es soviel Mist in den Regalen der Shopping-Welt und dieser ganze Mist wird auch verkauft, da sich mit Hilfe von mehr oder weniger guter Werbung für alles eine Zielgruppe finden lässt.

Dennoch, man kann ja Ansprüche haben:

  • Das Produkt muss in der Lage sein ein Problem zu lösen bzw. muss dabei behilflich sein, oder
  • dass Produkt muss absolut Spaß machen.

Die beiden obigen Punkte sind in der Regel die Punkte, die marketingtechnisch am meisten ausgeschlachtet werden. An ihnen erkennen wir Produkte die sich gut verkaufen lassen.

Bis hierhin haben wir jetzt schon mal grob umrissen wie unser Produkt auszusehen hat bzw. welche Eigenschaften es mitbringen sollte, damit wir es absatzstark, schnell und bequem an den Network-Mann und die Network-Frau bringen.

 

 

8 Eigenschaften die ein MLM-Vergütungsplan haben sollte!

Selbstverständlich müssen wir unseren neuen Kunden jetzt noch klar machen warum es sich lohnt dieses Produkt weiterzuempfehlen. Abgesehen von den spitzen Produkteigenschaften, soll sich die Weiterempfehlung für den neuen Kunden auch finanziell rechnen. Hierfür wird ein Vertriebsplan (Business Plan) aufgestellt. Er definiert welcher Kunde bzw. Partner wann wie viel verdient.

Ebenso wie an das Produkt, habe ich auch an den Vertriebsplan diverse Anforderungen. Ich möchte nicht nur das meine Zielgruppe die Produktvorteile sehr rasch erfasst, sondern auch schnell erkennt das es sich lohnt das Produkt zu empfehlen.

Aus diesem Grund habe ich mir folgende Punkte bzgl. dem Vertriebsplan notiert:

  • Der Vertriebsplan beinhaltet ein einfach aufgebautes Provisionsmodell auf allen Ebenen.
  • Der Vertriebsplan kann vollständig auf einer DIN A4 Seite abgebildet werden.
  • Der Vertriebsplan kann in 3 Sätzen erklärt werden.
  • Der Vertriebsplan sieht keine Registrierungsgebühren vor.
  • Der Vertriebsplan enthält keine Qualifikationsklauseln.
  • Der Vertriebsplan weist ausdrücklich darauf hin, das die Beendigung des Geschäftsverhältnisses jederzeit möglich ist.
  • Der Vertriebsplan definiert einfache, regelmäßige Zahlungszyklen der Provisionen.

Viele Network Marketing Firmen werfen mit Begriffen um sich wie

  • Altersvorsorge
  • Rentensicherung
  • Passiveinkommen
  • Zweites Standbein
  • Zusatzeinkommen

Von einer wirklichen Altersvorsorge können wir aber nur reden, wenn wir das familiäre Umfeld mit einbeziehen und deswegen finde ich folgenden Punkt in einem MLM-Vertriebsplan sehr wichtig:

  • Der Vertriebsplan garantiert im Todesfall des Vertriebspartners den Hinterbliebenen die Provisionsfortzahlung.

 

Marketing-Tools allein verdienen kein Geld!

Zu guter Letzt müssen Werkzeuge für die Kundenakquise und die Partnergewinnung vorhanden sein. Diese Marketingwerkzeuge müssen intuitiv bedienbar sein und in allen notwendigen Sprachen vorliegen, um die Duplikation im Network zu steigern und nicht mit Sprachbarrieren ausbremsen.

Bzgl. der Marketingwerkzeuge habe ich mir im Detail keine großen Gedanken gemacht. Ich programmiere und designe Software, Tools und Kampagnen dieser Art seit vielen Jahren für meine Kunden aus der MLM Branche. Sie funktionieren. Allerdings sind sie „nur“ Werkzeuge und befreien einen nicht grundsätzlich von jeglichem Network-Grundgedanke. Anders gesagt: Es gibt kein Marketingwerkzeug und keine Online-Marketingkampagne die Network Marketing für jedermann tauglich machen, auch wenn das von einigen Networkern und Vertriebspartnern versprochen wird.

Nicht gewillt zu akzeptieren, dass es Menschen wie mich gibt die zu doof sind für Network Marketing, habe ich alle Notizen noch einmal genau betrachtet und beschlossen: Das kann ich auch!

(Bestimmt! Vielleicht…)

 

 

Stellen Sie sich diese 8 Fragen, bevor Sie einem Network beitreten!

Zu allererst musste ich ein Produkt finden das zu mir passt. Ein Produkt das den meisten, wenn nicht sogar allen, meiner Anforderungen gerecht wird. Diese Vorgehensweise ist nicht ungewöhnlich und auch in vielen Network Marketing Büchern beschrieben. Klar, niemand möchte verkaufen was er nicht mag und selbst kaufen würde.

Allerdings muss man bei vielen Büchern aufpassen wie diese „Selbstfindungsphase“ von Statten geht und ob da nicht vielleicht der Autor dem Leser etwas schmackhaft machen will. Ich habe mir vorgenommen erst einmal das Produkt zu finden, unabhängig davon ob es überhaupt ein Network Unternehmen für dieses Produkt gibt oder nicht. Um DAS Produkt geht es! Also habe ich mir selbst noch einmal folgende Fragen gestellt:

  • Welches Produkt verwende ich regelmäßig und ist dieses Produkt auch ein Verbrauchsprodukt?
  • Kaufe ich dieses Produkt umgehend wieder ein, oder kann ich darauf verzichten?
  • Ist dieses Produkt selbsterklärend oder bedarf es im Optimalfall gar keiner Erklärung?
  • Kann das Produkt in allen sozialen Schichten und kulturellen Kreisen angeboten werden?
  • Kann das Produkt weltweit angeboten werden und lässt es sich problemlos verschicken?
  • Ist das Produkt weitgehend ohne Konkurrenz oder vollständig konkurrenzlos?
  • Hilft mir das Produkt ein Problem zu lösen und macht es im Idealfall auch noch Spaß?
  • Würde ich das Produkt mit auf eine einsame Insel nehmen?

Nach einer aufwendigen Auswertung unzähliger Produkte im Haus, im Supermarkt meines Vertrauens und in Nachbars Garage stand der eindeutige Produktsieger fest und zwar:
DAS WC-PAPIER !!!

Bevor Sie diese wahnsinnig schlaue Webseite verlassen, oder gar in Erwägung ziehen, mich zu besuchen, lassen Sie uns die Vorteile dieser wichtigen Erfindung beleuchten.

1. Das Produkt ist selbsterklärend

Das ist es zweifelsohne, denn ich kenne niemanden, der nicht Sinn und Zweck einer Rolle Toilettenpapier versteht. Sollten sie so jemanden kennen, wohnen sie entweder in einem kapitalistisch freien Naturvölkerdorf oder die besagte Person hat nicht alle Spangen an der Leiste. In beiden Fällen würde ich in Zukunft von herzlichen Umarmungen und freudigem Händeschütteln absehen.

2. Das Produkt ist ein Verbrauchsprodukt

WC-Papier ist selbstverständlich ein Verbrauchsprodukt und muss regelmäßig nachgekauft werden. Es sichert uns somit ein regelmäßiges Einkommen, ohne dass wir stetig aufs Neue Verkaufsgespräche führen müssen, wie es etwa bei einem Neuwagen alle 7 bis 15 Jahre der Fall ist. Ich kenne zwar Menschen, die ihr Kraftfahrzeug wie einen Verbrauchsgegenstand behandeln, aber denen verkaufen sie auch kein Toilettenpapier (die wischen sich den Hintern mit Banknoten ab oder lassen sich ihn abwischen).

Von auswaschbarem bzw. wiederverwertbarem WC-Papier hab ich bisher nichts gehört und auch den Trick mit den beiden Muscheln in dem Film ‚Demolition Man‘ hat mir bis heute niemand erklärt.

Fazit: Wir brauchen jeden Tag frisches, zupffertiges Toilettenpapier!

3. Das Produkt kann vom Kunde selbst erklärt werden

Wie unter 1. schon erläutert, bedarf es keiner großen Erklärung. Zumindest nicht, wenn sie ein Alter erreicht haben, in dem sie bereits feste Nahrung zu sich nehmen. Vielleicht nehmen sie auch schon wieder Nahrung minderer Konsistenz zu sich, aber sie haben zumindest gelernt, wie man abrollt und abwischt und können es ihrem Enkel vormachen bzw. erklären.

4. Das Produkt findet in allen sozialen Schichten Anerkennung

Ich persönlich habe zwar noch nicht alle sozialen Schichten durchwandert, aber an den Örtchen an denen ich bisher war, konnte ich ein Röllchen zivilisierter Reinheit vorfinden. Zwar ist es schon vorgekommen, dass nur noch nackte Papphülsen schaukelnd auf das frühere Vorhandensein deuteten, aber man war sich dort der Notwendigkeit bewusst… die Betonung liegt in meinem Fall auf NOT!

Mit diesem Produkt ist also wirklich jeder angesprochen, ob arm oder reich.

5. Das Produkt muss in sämtlichen Kulturen Fuß fassen

Das hat es bereits! Sie müssen für dieses Produkt keine Überzeugungsarbeit leisten, denn es überzeugt von selbst. Wohlgleich es anschließend sofort verschwindet. Es kann zwar sein, dass es in der einen oder anderen Kultur Form und Material um eine Haaresbreite ändert, aber es handelt sich nach wie vor unverkennbar um das WC-Papier. Einen absolut weltumfassenden Markt haben wir natürlich auch hier nicht, denn dieser ist tatsächlich dem Trinkwasser vorbehalten. Ich kenne nichts, was wichtiger ist als Trinkwasser… abgesehen vom deutschen Bier, aber da ist ebenfalls Trinkwasser enthalten. Wenn man so möchte spricht man bei Bier von veredeltem Trinkwasser. Edelwasser!

Ich schweife ab…

Sollte ein Land bzw. ein Kulturkreis noch nicht erschlossen sein – umso besser für uns! Praxisnahe Produktpräsentationen werden jeden Hinterwäldler und Wüstenbuddler überzeugen!

 

6. Das Produkt sollte konkurrenzlos sein

Betrachtet man die Vielzahl der Toilettenpapierhersteller möchte man meinen, es mit einer Heerschaar von Konkurrenten zu tun zu haben. Mit ‚konkurrenzlos‘ ist allerdings das Fehlen von Produktalternativen gemeint, und da sieht es wirklich dünn aus. Abgesehen von verschiedenen Feuchttüchern, die ihrem Hintern einen frühlingsechten Vorgartengeruch verpassen, gibt es keine echte Alternative, denn auch bei lustigen Minibrunnen, aus denen mein Hund so gern säuft, oder in denen vielleicht ihre Enkel in einer unbeobachteten Minute plantschen, benötigt man ein paar Blatt Papier, um das gewaschene Areal abzutrocknen.

 

Lassen sie uns also zusammenfassen:

Das Produkt ‚WC-Papier‘ bedarf keiner Erklärung, weder in einem Verkaufsgespräch, noch bei der eigentlichen Verwendung. Zudem ist es ein Verbrauchsprodukt und muss regelmäßig nachgekauft werden. Es sichert uns also ein stetiges Einkommen und zugleich eine konsumierende Stammkundschaft. Dem Vertrieb unterstützend zu Gute kommt, dass das Produkt von den Kunden selbst erklärt bzw. beschrieben werden kann und bei einer Viral-Marketingkampagne sicherlich rasche Neukundengewinne zu verzeichnen sind. In einer globalisierten Wirtschaftswelt ist es wichtig ein Produkt auch über die eigenen Ländergrenzen hinweg anbieten und verkaufen zu können. Das Produkt ‚WC-Papier‘ ist in allen kulturellen Kreisen anerkannt und nicht mehr wegzudenken. Zudem wird das Produkt von allen sozialen Schichten konsumiert. Zu guter Letzt kann dem Produkt durchaus eine gesunde Konkurrenzlosigkeit zugesprochen werden. Wenn auch der Markt von vielen Produzenten besiedelt ist, gibt es kein funktionelles Differenzprodukt.

 

Keine Konkurrenz weltweit! Gestern, heute und morgen nicht!

Kennen sie ein vergleichbares Produkt, das von einer Firma per Network Marketing vertrieben wird? Es gibt keines!

Unzählige Firmen und Networks heucheln die Notwendigkeit ihrer Produkte, um Gesundheit und finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen, aber welches Produkt kann notwendiger sein, als WC-Papier?

Vielleicht ist es mit den ganzen Nahrungsergänzungsmitteln noch viel notwendiger, denn wenn sich ihre Darmflora erst mal verabschiedet hat und ihr Körper das leibeigene Rollkommando anrücken lässt, wissen sie die aufgerollten Wischblättchen zu schätzen. Selbst in schlechten Zeiten, in denen ihre Einkäufe wegen Sparmaßahmen dünner ausfallen, werden sie WC-Papier kaufen!

 

Ein MLM-Knallbonbon von einem Networker der keiner ist!

Wie schon angesprochen habe ich vor einigen Jahren erfolgreich für einen internationalen Saftladen geworben. Kunden wie auch Vertriebspartner habe ich über das Internet akquiriert, geschult, abgezockt und zu Reichtum verholfen. Die Akquirierung funktionierte bei mir besonders gut, da ich nicht im herkömmlichen MLM-Jargon auf das Volk einknüppelte sondern Bedürfnisse, Wünsche und Fakten in ein online Knallbonbon verpackt habe.

Nachdem die Damen und Herren verstanden haben das sie mit meiner Hilfe reich werden können ging es an die Ausbildung. Nichts Aufregendes im Prinzip:

Mach genau das was ich mache!

Hört sich einfach an. Ist es auch!

 

 

Wie man ein Geschäft euphorisch aufblasen kann habe ich nicht erst einmal erlebt. Für gewöhnlich wird man auf eine Geschäftspräsentation eingeladen (manchmal auch getarnt als „Schulung“) und wird einem dunkelbraun gebrannten, affig dauergrinsenden Vertriebsjodler ausgesetzt, der im Dreivierteltakt motiviert in die Hände klatscht. Seriosität gleich null, der Porsche fürs Vorfahren am Schulungsort gemietet und der Anzug von H&M. Fairerweise muss man sagen das es Menschen gibt die mit dieser Art MLM zu betreiben zu Reichtum gekommen sind. Sie sind als Gastredner, auf DVD oder in teuren Seminaren anzutreffen. Blutjunge Networker und Einsteiger werden sie in der ersten Linie dieser Herrschaften nur wenig finden, denn selbst hier sitzt schon der harte Networker-Kern und die Ausbildung von superblöden Anfängern ist nicht in deren Interesse.

Aus den oben genannten Gründen war es für mich wichtig das Geschäft möglichst einfach zu halten und unter dem Einsatz meines beruflichen Fachwissens war das auch kein Problem. Bis zu einem Punkt… die Ausbildung neu gewonnener Partner!

Das erste Problem war das die neuen Partner sich nicht großartig mit dem Produkt beschäftigen wollten. Nun möchten sie sagen: Gut, was will man bei einem Saft auch groß erklären?

Glauben sie mir, es gibt immer eine Liste von Vorteilen die ein Produkt mit sich bringt und wenn sie ihnen auf den ersten Blick noch so idiotisch vorkommen mag.

Als nächstes Problem stellte sich die Ungedult heraus. Die neuen Partner wollten umgehend verdienen und das am besten an der Arbeitskraft ihrer eigenen (noch nicht vorhandener) Partner. Allerdings wird ohne Endkundengeschäft bzw. Produktabsatz kein Gewinn erwirtschaftet und ohne Gewinn gibt es auch keine Provision.

 

MLM oder doch lieber Bankräuber?

Schnell habe ich verstanden das es den meisten Menschen, die mich kontaktierten und Partner wurden, um das schnelle Geld ging. Sie wollten schnell reich werden ohne etwas dafür zu tun. Für sie war selbst Bankräuber ein anstrengender Job (mal abgesehen von dem Gesetzes bedingten Freiheitsrisiko). Also beschloss ich jedem neuen Kontakt den Traum vom großen Geld kaputt zu trampeln, mit Erfolg!

Ich legte sogar noch einen drauf und äußerte mich dem einen oder anderen neuen Partner bzgl. dem Produkt eher… naja sagen wir mal nicht ganz überzeugend, aber schließlich machte ich den Job ja des Geldes wegen und nicht um meine Kunden fruchtig zum Höhepunkt zu geleiten. Ob sie das nun glauben oder nicht, aber wenn sie hin und wieder die Maske des Vorzeigeverkäufers ablegen und ein Steinchen Ehrlichkeit werfen wird es geschätzt werden.

Nun hatte ich also eine handvoll, hin und wieder ehrliche Networker die in Wirklichkeit keine waren. Keine Erfahrung mit Network Marketing, dem Traum von Reichtum beraubt, kein Plan vom Geschäftsplan und zu faul sich ein paar Produktinformationen ins Hirn zu kneten. Bei zweien hatte es sogar den Anschein sie könnten überhaupt nicht lesen. Ich frage mich bis heute wie die beiden Typen ihre Emails abgerufen haben, geschweige denn darauf antworten konnten. Das Wichtigste war jedoch das sie sich von der übrigen (erfolgreichen) Networker-Sippschaft unterschieden, denn sie waren Menschen wie Sie und ich. Menschen mit dem Wunsch nach ordentlich Asche auf dem Konto, ohne jemand über den Tisch ziehen zu müssen.

Die große Frage war nun wie ich (und damit meine ich erstmal ich!) an mein Ziel komme. Ich könnte natürlich Monat für Monat neue Partner für das Geschäft gewinnen, mit denen ich dann 1 bis 3 Monate ein wenig Geld verdiene bevor sie resignieren und mich folgerichtig als Abzocker betiteln. Außerdem werden sie in Zukunft Geschäftsmöglichkeiten, die in Verbindung mit Network Marketing stehen, meiden. Schlimmer noch: Sie werden sie schlecht reden und verteufeln!

 

Nicht Network-Marketing, sondern die Networker sind schuld!

Ich möchte meinen das gut zwei Drittel der im Internet kursierenden Negativberichte nicht der Firma bzw. dem Network an sich zu Lasten gelegt werden können, sondern schlichtweg die verantwortlichen Networker, die die Geschädigten geworben haben, der Selbstsucht verfallen waren.

Letzten Endes ist mein Geschäft wegen 3 entscheidenden Punkten gescheitert:

  1. Ich habe es nicht geschafft meine neuen Partner zu motivieren sich ausreichend mit dem Produkt und dem Vertriebsplan auseinander zu setzen. Man sollte meinen das dies der erste Schritt bei einer neuen Geschäftstätigkeit ist und dieser auch mit eigener Motivation von Statten geht. Dem war nicht so. Folgerichtig fiel es meinen Partnern auch schwer, selbst neue Partner zu finden und von dem Geschäft zu überzeugen.
  2. Die Erwartungen meiner Partner waren trotz meiner Bemühungen deutlich zu hoch. Eine Vertriebspartnerin aus Hessen rief mich eines Tages an und beschwerte sich bei mir, dass sie nur knapp 500 Euro mit dem Geschäft verdiene. Mir waren die Lebensumstände bzw. der Lebensstandard der Dame nicht bis ins Detail bekannt, aber ich hatte absolut kein Verständnis für dieses Verhalten. Ihre Provision wurde ausschließlich über ihre eigene Struktur generiert und sie musste keinen Finger krumm machen für dieses Geld. Es gibt Menschen die gehen mit 500 Euro in den Urlaub.

 

Neue Geschäftsmöglichkeiten nerven!

Der Markt ist übersättigt. Fast täglich bekommen wir Emails und Empfehlungen angeblich lukrativer Geschäftsmöglichkeiten. Facebook und andere soziale Netzwerke ballern Links zu Webinars, Videos und Erfolgsgeschichten ins Web und ersticken uns in einer Flut von Schlagzeilen wie:

  • Neue Super-Antioxidantien-Frucht entdeckt!
  • Die Geschäftsmöglichkeit des Jahrzehnts!
  • 1.200€ am Tag verdienen im Internet!
  • Jetzt registrieren! Nur noch 99 Plätze frei!
  • Online Geld verdienen – 24h am Tag!
  • Mit wenigen Klicks 400 Euro verdienen!
  • und, und, und…!

Mit einem Registrierungs-Marathon hechten dann viele von Pre-Launch-Phase zu Last-Call-Formularen, mit der Angst man könnte ein Geschäft verpassen bei dem man nichts arbeiten muss. Zurück bleibt die ernüchternde Erkenntnis das keines dieser Geschäftsmodelle funktioniert hat – zu Recht. Mal abgesehen von einem überfüllten Email-Postfach das täglich von neuen Erfolgsgeschichten in den jeweiligen Networks berichtet und einzelnen Networkern zu ihrem neuen Diamond-Super-Platinum-Power-Star-Status gratuliert.

Zurück bleibt die Frustration und eine abgewetzte Entf-Taste auf der Tastatur, vom Löschen der unzähligen Emails.

 

Bis an die Zähne mit Marketingwaffen bewaffnet und trotzdem arm!

Das Schöne am Internet und an Computern ist, dass man sehr viele Dinge automatisieren kann. Noch schöner ist es, wenn man sich diese Werkzeuge hierfür selbst programmieren kann. In meinem Fall hat mir das nur nicht sehr viel gebracht, denn entweder programmiert man Marketing-Software, erstellt gewisse Kampagnen und betreut diese, oder man ist Networker, kümmert sich um sein Team, schreibt Emails und telefoniert sich die Ohrmuschel wund.

Ein Kunde meiner Online-Marketingdienste sagte einmal zu mir: Mit dem was du machst und was du kannst müsstest du schon lange in Millionen schwimmen!

Recht hatte er!

Damals habe ich begonnen zu verstehen das das was ich tue, anderen zu mehr oder weniger Reichtum verhilft. Allerdings war es nicht das allein, sondern die Kombination aus beidem. Die Kombination aus Network Marketing und meinen Marketing-Tools. Heute rückblickend, war diese zündstoffartige Kombination trotzdem noch nicht perfekt.

 

Planung! Planung! Feuer frei!

Heute weiß ich das ein Plan, ein Leitfaden unerlässlich ist. Nach so vielen Jahren, gemachten Misserfolgen und gesammelten Erfahrungen ist das deutlicher denn je. Da hilft auch kein tolles Ebook und auch kein AutoResponder- bzw. FollowUp-Email-Terror, der mir jeden Tag einen Erfolgs-Tipp unter die Nase reibt.

Online-Marketing + MLM… gepaart in einem wasserdichten Leitfaden. Ein Leitfaden der kein falsches Abbiegen zulässt und mit Funktionen und Automatismen angereichert ist. Der einen Stillstand nicht erlaubt, weil Motivations-Trigger mich jeden Tag für das Geschäft begeistern. Weil es Spaß macht! (Nicht das WC-Papier!)

Nun ich möchte an dieser Seite weder einen perfekten Geschäftsplan oder Leitfaden verkaufen, noch möchte ich Sie für ein Network Marketingunternehmen begeistern, dass ihnen jeden Monat eine Palette Klopapier vor das Haus liefert. Wobei ich sehr viele kreative Ideen hätte dieses Geschäft zu betreiben. So würde z.B. jeder Partner sein individuelles WC-Papier erhalten. Auf jedem Blatt Toilettenpapier ist großflächig der eigene Partnerlink in form eines QR-Codes zu sehen! Verschenken oder tauschen Sie Ihr QR-Code WC-Papier wo Sie nur können. In Restaurants, Hotels, Bahnhofstoiletten, Universitäten, Schulen und beim Arbeitsamt!

 

Mobile Marketing auf dem stillen Örtchen

Stellen Sie sich vor was Sie für ein Smartphone-klickendes Inferno damit auslösen. Die Menschen sitzen auf der Toilette und fragen sich was wohl hinter diesem QR-Code steckt!

Tatsächlich habe ich solche und andere Kampagnen schon getestet. Jetzt bin ich auf der Suche nach anderen kreativen Köpfen, motivierten Partnern und Menschen die etwas bewegen möchten. Allerdings ohne geschönte Aussagen, Tschaka-Mentalität oder faustgroße MLM-Buttons auf der Brust. Ich suche Joint Ventures, Partner, Networker und Online Marketer mit denen ich meine kreativen Marketingideen und Marketing-Tools teilen kann. Menschen die Interesse an einem ausgetüftelten Leitfaden für einen Geschäftsaufbau haben und die Zeit und Kraft haben gemeinsam etwas zu bewegen.

Natürlich freue ich mich auch über Angebote und Infos zu Geschäftsmodellen, Firmen und Produkten, die ich noch nicht kennenlernen durfte und bedanke mich an dieser Stelle für das Lesen dieses Artikels, auch wenn der Titel sehr provokant gewählt ist.

Viele Grüße
Steven Rohner

 

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11 thoughts on “Scheiss Network Marketing

  1. Monika Schneider
    16. Juni 2014 at 18:46

    Herrlich geschrieben, ich hab mich zerkugelt. Danke, für die Unterhaltung und ja, ich verstehe diese Hassliebe zu Networkmarketing teilweise.
    Dass es bisher nicht geklappt hat, kann an drei Dingen liegen:
    1.) Man hat nicht das richtige Unternehmen gefunden(gibt ja auch viel zu viele davon)
    2.) Es liegen die falschen Motive vor(man hat vielleicht auch den Sinn nicht verstanden)
    3.) Man ist einfach nicht geschaffen für diesen Job(es kann ja nicht jeder alles werden 😉 ).

    Das mit dem Klopapier halte ich allerdings für bedenklich, denn entgegen der Annahme, es wird in allen Kulturen angewendet, muss ich leider darüber informieren, dass lediglich 20% der Weltbevölkerung Klopapier verwenden, und bei den 80% handelt es sich nicht nur um Naturvölker ;-).

    Früher oder später trifft jeder auf das Network, dass richtig für ihn/sie ist und alle Anforderungen erfüllt. Vorrausgesetzt man erkennt es auch, und ist von früheren Fehlgriffen noch nicht abgeschreckt 😉 .

    Liebe Grüße und noch viel Spaß auf der Suche nach dem perfekten Klopapiergeschäft 😀

    1. 19. Juni 2014 at 10:54

      Hallo Monika,

      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Ich gebe Dir in allen drei Punkten recht und man muss auch tatsächlich für sich selbst lernen wie man mit diesen Strukturvertrieben umgeht bzw. wie man sie selbst betrachtet.

      Wenn man daraus keine große Sache macht, sich auf ein überzeugendes Produkt konzentriert und interessierte(!) Menschen als Vertriebspartner gewinnt, ist dass eine super Sache. Da man aber nun mal im in Network Marketing selten allein arbeiten gar nicht so einfach… 😉 Oft ist die Person die einem das Geschäft vorschlägt schon nicht ganz bei der Sache sondern nur beim Geld verdienen.

      Ich muss eingestehen das ich bei der prozentualen Angabe bzgl. der Zielgruppe wohl nicht ausreichend recherchiert habe. Dabei hätte ich es nach diversen Auslandsreisen eigentlich besser wissen müssen. Für die Argumentation die mir hier im Sinn war, ein optimales Network zu finden, hätte ich auch das Produkt ‚Trinkwasser‘ heranziehen können, allerdings hätte ich damit den Pfad des guten Geschmacks und vor allem den der Moral verlassen… wenn ich das nicht sowieso schon habe.

      Mich würde jetzt natürlich interessieren für welches Network Du Dich begeistern konntest und aus welchen Gründen.

      Bewölkte, aber freundliche Grüße aus Berlin,
      Steven

  2. 23. Februar 2015 at 00:57

    Selten so gelacht – toll, wie jemand so ein ernstes Thema so lustig abhandeln kann und dabei noch so toll Fakten und Infos aus erster Hand liefert! Danke – hab ich natürlich sofort auf meiner neuen Facebookseite http://www.facebook.com/mlmanonymous/ teilen müssen und bei Twitter sowieso! 🙂

    1. 25. Februar 2015 at 19:55

      Hallo Theresa,

      vielen Dank für Dein freundliches Feedback. Nach Deiner Facebook-Seite zu urteilen bist Du dem Network-Marketing gänzlich abgeneigt, oder hab ich das falsch verstanden?

      Viele Grüße aus Berlin,
      Steven

  3. Rene Sandig
    3. Dezember 2016 at 22:10

    Hallo Steven und ihr Anderen,

    Ich hab auch so einige Erfahrungen gemacht und bin auf die gleichen Probleme gestoßen. Es scheiterte immer am Produkt und die damit verbundene Zielgruppe. Doch nun bin ich auf etwas gestoßen, was gerade erst startete. Also keine Sätze wie:“ Ach kenn ich, nein danke.“ Das Produkt ist ein eigener onlineshop.—–völlig selbsterklärend, keine Produktschulungen, Meetings und und und…. Zielgruppe ist rießengroß. Praktisch jeder der schon einmal online gekauft hat. Bei Fragen fragt 😉

    Gruß Rene

    1. Andreas Schön
      1. März 2017 at 13:32

      Ich frage 🙂

    2. 19. März 2017 at 22:44

      Ich frage auch! 🙂

  4. 9. Juni 2018 at 23:24

    Hallo Steven

    Dein Bericht ist echt Klasse, auch wenn ich es zugleich schade finde das Du Dir den Wunsch nach finanzieller Freiheit nicht erfüllen konntest dafür anderen ;(
    Ich arbeite erst seit kurzer Zeit mit MLM und ich finde es immer wieder erstaunlich wie in vielen Branchen so auch in dieser von vielen Falsch gearbeitet wird.
    Für was steht Network Marketing für Produkt Verkauf? Sicher nicht es ist ein kleiner Teil davon. 80% im Network Marketing besteht aus Duplikation der Rest kommt über die Produkte.
    Ich habe schon einige erfolgreiche Menschen von unserer Company kennen gelernt und was mir bei allen auffiel war das keiner auf Produktverkauf Pochte.

    Zuerst versuchten Sie eine Vertrauensbasis zu schaffen um im verlauf Empfehlungen hinsichtlich der Probleme Ihres gegenübers zu liefern.
    Man gibt den Leuten keine Produkte und sagt damit verdienst du tausende.
    Wer glaubt an sowas?
    Nehmen Wir ein Beispiel ich starte im MLM und versuche die Leute über die Produkte für mich zu gewinnen wie viele Kunden und wie viel Zeit müsste ich da investieren um richtig viel Geld zu verdienen? Ich sage Dir eins dann kann ich auch in meinem normalo Job bleiben der Aufwand wäre zu groß.

    Beispiel 2 Ich starte und biete nur das Geschäftsmodell an die Produkte kommen sowieso dazu irgendwann, denn jeder kennt einen der irgendwas benötigt.
    Ich lese mir immer die Qualifikationskriterien durch und habe bei keiner gelesen
    mache 1000-2000€ Umsatz!!
    Da steht mache Duplikation und Du wirst belohnt.

    Ich hoffe Du findest trotz allem zu Deinem Glück ich wünsche Dir es!!
    Mach Dich nicht verrückt und bleib so wie Du bist ich denke Du bist eine Coole Type

    LG Steven Kleckner

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